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24 09 2015
Wohnungsbau geht am Bedarf vorbei

In Deutschland wird wieder mehr gebaut – allerdings in den falschen Regionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Demnach sind im vergangenen Jahr bundesweit rund 245.000 neue Wohnungen entstanden – ein Plus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch vielerorts entspricht die Bautätigkeit nicht dem prognostizierten Bedarf. Während auf dem Land zu viele Wohnungen geschaffen werden, bleibt der Wohnraum in den Metropolen weiterhin knapp. Nur 66.000 der neu errichteten Wohnungen entstanden in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern. Bis 2020 werden dort jedoch mindestens 102.000 neue Wohnungen jährlich benötigt. Die Zahlen zeigen, dass die Bautätigkeit in den Großstädten um mehr als 50 Prozent gesteigert werden müsste, um den Bedarf an Wohnraum zu decken.

Neubauaktivität in Großstädten hinkt Bedarf hinterher

Besonders deutlich klaffen Wohnungsbedarf und Bautätigkeit in Berlin auseinander. In der Bundeshauptstadt müssten jährlich 20.000 neue Wohnungen errichtet werden, um mit der stetig wachsenden Nachfrage Schritt zu halten. Im vergangenen Jahr konnten jedoch lediglich 8.744 Wohnungen fertiggestellt werden. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in beinahe allen anderen Großstädten. Lediglich in Düsseldorf, Bremen sowie den schrumpfenden Städten Essen und Dortmund entspricht die Bauleistung dem Bedarf. Als Ursache für die geringe Bautätigkeit nennen die Experten vor allem das knappe Baulandangebot. Die Nachfrage übersteige bei weitem die verfügbare Fläche, dementsprechend stark steigen auch die Preise.

Regulierungen wie die Mietpreisbremse sorgten laut IVD ebenfalls für einen Stimmungsdämpfer beim Neubau. In der ersten Hälfte des Jahres wurde für 140.435 Wohnungen eine Baugenehmigung erteilt und damit lediglich ein Plus von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erzielt. 2014 lag die Zuwachsrate noch bei 9,6 Prozent.

Zu hohe Bautätigkeit auf dem Land

Ganz anders als in den Großstädten sieht die Lage in vielen strukturschwachen Gegenden aus. In der Eifel, im Schwarzwald oder auch in weiten Teilen Ostdeutschlands werden zu viele Wohnungen gebaut. Durch eine großzügige Baulandausweisung versuchen zahlreiche Kommunen, mehr Einwohner und Unternehmen anzulocken. In Kombination mit geringen Zinsen führt dies laut der Studie zu einer übermäßigen Bautätigkeit und einem weiter wachsenden Leerstand bei Bestandsimmobilien in diesen Regionen.