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accentro-hitzigallee
22 08 2019

Jüngere Haushalte bilden immer seltener Wohneigentum

Die Zinsen für Immobiliendarlehen befinden sich schon seit Jahren auf einem historisch niedrigen Niveau, und dennoch ist die Wohneigentumsquote in Deutschland bei 45 Prozent wie festgefroren. So bald wird sie sich auch nicht signifikant erhöhen, denn die Zahl der Ersterwerber ist sogar rückläufig, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gerade in einem Gutachten festgestellt hat.1 Zu Beginn der 2000er-Jahre erwarben noch jährlich rund 700.000 Haushalte erstmals Wohneigentum, bis 2017 ist der Wert jedoch auf weniger als 400.000 Haushalte gesunken.

Der Anteil der Haushalte in Deutschland, die Wohneigentum erwerben, hat sich im gleichen Zeitraum von mehr als zwei Prozent im Jahr auf rund ein Prozent mehr als halbiert. Das neue Gutachten bestätigt damit den aktuellen ACCENTRO-IW-Wohnkostenreport, der im April 2019 erschienen und ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen ist, dass sich die Zahl der Ersterwerber negativ entwickelt.2
 

Eigentumsquote unter Jüngeren geht deutlich zurück

Besonders bedrückend ist der Umstand, dass es vor allem jüngere Leute sind, denen immer seltener der Sprung von der Mietwohnung ins Eigenheim gelingt. Unter den 35- bis 44-Jährigen ging die Wohneigentumsquote zwischen 2010 und 2017 um fünf Prozentpunkte auf unter 40 Prozent zurück. Dabei ist insbesondere diese Lebensphase für die nachhaltige Wohneigentumsbildung entscheidend, da für die Tilgung des Immobilienkredits noch genug Zeit bis zum Renteneintritt bleiben sollte.

Auch die Entwicklung des durchschnittlichen Haushaltseinkommens von Ersterwerbern ist beachtenswert. 2010 lag es noch bei rund 3.000 Euro, 2017 betrug es dagegen rund 4.000 Euro und damit ein Drittel mehr als nur sieben Jahre zuvor.3 Während Erwerber-Haushalte 2010 rund 40 Prozent mehr als Mieterhaushalte verdienten, hatten Erwerber im Jahr 2017 ein im Schnitt um 80 Prozent höheres Einkommen.
 

Maßnahmen von der Politik gefordert

Der Sprung ins Eigenheim gelingt mehrheitlich also nur noch älteren und besserverdienenden Haushalten. Diese Entwicklung ist gewiss kein Zufall, sondern hat mit den steigenden Immobilienpreisen, den steigenden Erwerbsnebenkosten und dem infolgedessen steigenden Eigenkapitalbedarf beim Wohnungskauf zu tun.

Das IW empfiehlt der Politik daher, potenzielle Wohneigentümer stärker in den Blick zu nehmen und Maßnahmen auf den Weg zu bringen, die auch Haushalten mit mittleren Einkommen den Sprung ins Eigentum ermöglichen. Das von der Bundesregierung im Herbst 2018 gestartete Baukindergeld hält das IW für ineffektiv; es bevorzugt Maßnahmen wie eine Reform der Grunderwerbsteuer oder der Maklerprovision, um die Kaufnebenkosten zu reduzieren.


1 www.iwkoeln.de/studien/gutachten/beitrag/michael-voigtlaender-pekka-sagner-analyse-der-wohneigentumsbildung.html
2 www.accentro.ag/presse/pressemeldungen/detail/announce/accentro-iw-wohnkostenreport-2019/
3 www.spiegel.de/wirtschaft/service/immobilien-junge-menschen-ziehen-immer-seltener-in-ein-eigenheim-a-1281138.html