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01 08 2019

In Deutschland fehlen 300.000 Eigenheime

Während in der Öffentlichkeit vor allem der eklatante Wohnraummangel im Mietwohnungsbereich diskutiert wird, besteht in Deutschland einer aktuellen Studie zufolge auch ein deutlich zu geringes Angebot an Eigentumswohnungen beziehungsweise Ein- und Zweifamilienhäusern. Wie das Forschungsinstitut Empirica berechnet hat, liegt der jährliche Neubaubedarf bei 151.000 Einheiten, doch tatsächlich wurden seit 2012 durchschnittlich nur 104.000 Eigenheime pro Jahr errichtet. Die Angebotslücke bei Eigenheimen ist inzwischen auf 300.000 Einheiten angewachsen.1

Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäusern ist hoch, was auch mit der günstigen Zinssituation und der damit verbundenen Erschwinglichkeit von Immobilienfinanzierungen zusammenhängen dürfte. Hinzu kommt das hohe Aufholpotenzial beim Thema Wohneigentum – mit nur 45 Prozent leben so wenige deutsche Haushalte in den eigenen vier Wänden wie in fast keinem anderen europäischen Land.


Preise für Eigenheime steigen weiter

Dass das Angebot dieser erhöhten Nachfrage nach Eigenheimen nicht nachkommt, führt zu den seit Jahren steigenden Preisen für Eigentumswohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser. Und dieser Kaufpreisanstieg dauert insbesondere in den Städten weiter an, wie beispielsweise der aktuelle Empirica-Immobilienpreisindex zeigt.2 Demnach sind dort die Kaufpreise für Neubau-Eigentumswohnungen im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem ersten Quartal 2019 um 2,3 Prozent gestiegen; auf Jahressicht beträgt der Anstieg 8,7 Prozent. Die Preise für neu errichtete Ein- und Zweifamilienhäuser haben in den kreisfreien Städten auf Quartalssicht sogar um 3,8 Prozent und auf Jahressicht um 9,9 Prozent zugelegt.

Darum verwundert auch die Analyse der eingangs genannten Empirica-Studie nicht, der zufolge kaum Gefahr besteht, dass aufgrund des Immobilienbooms zu viele Eigenheime gebaut werden könnten und ein möglicher Leerstand befeuert werden könnte. Zwar komme es in einigen Schrumpfungsregionen vor, dass mehr Eigenheime errichtet würden als rechnerisch nötig wären. Doch handelt es sich der Studie zufolge insgesamt lediglich um rund 5.000 Einheiten pro Jahr beziehungsweise um vier Prozent des Neubauvolumens, was angesichts der enormen Angebotslücke vernachlässigbar ist.
 

Genehmigungen für Eigentumswohnungen gehen zurück

Dass sich am Angebotsmangel von Eigenheimen, also Eigentumswohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäusern, bald etwas ändern wird, ist nicht zu erwarten. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2019 ist die Anzahl der Baugenehmigungen für Eigentumswohnungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kräftig um 11,4 Prozent und für Zweifamilienhäuser um 4 Prozent zurückgegangen. Allein für Einfamilienhäuser haben die Baugenehmigungen leicht um 2,3 Prozent zugelegt.

Die Politik will zwar gegensteuern – die im Bundesinnenministerium ansässige Baulandkommission hat kürzlich eine Liste mit Handlungsempfehlungen vorgelegt, um den Wohnungsbau anzukurbeln.3 So sollen etwa Grundstückseigentümer durch eine Baupflicht dazu gebracht werden, ihr Bauland tatsächlich zu bebauen. Doch ob die empfohlenen Maßnahmen wirksam sind beziehungsweise überhaupt umgesetzt werden, wird sich noch zeigen müssen. Das Wohnungsbauziel der Bundesregierung, bis 2021 für die Errichtungen von 1,5 Millionen Wohneinheiten zu sorgen, wird jedenfalls absehbar nicht erreicht werden.4


1 www.empirica-institut.de/thema/veranstaltungen-und-prozessbegleitung/studie-werden-wirklich-zu-viele-eigenheime-gebaut/
2 www.empirica-institut.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen_Referenzen/PDFs/Immobilienpreisindex_Q22019.pdf
3 www.tagesschau.de/inland/bauland-kommission-101.html
4 www.capital.de/immobilien/warum-die-zahl-der-baugenehmigungen-sinkt