Registrieren Sie sich, um einen persönlichen Account zu erhalten und nutzen Sie die Vorteile für Ihre individuelle Suche.
X
accentro-hitzigallee
04 04 2019

Wohnungsbau in A-Städten wird unattraktiver

Deutschlands Metropolen leiden durch die Bank unter einem Wohnungsmangel – doch aus Sicht von Projektentwicklern lohnen sich Investitionen in Neubauten immer weniger. Das ist das Ergebnis der aktuellen Projektentwicklerstudie des Immobilienberatungsunternehmens bulwiengesa.1 Demnach ging 2018 nach jahrelangem Wachstum die Gesamtfläche neu entstandener Wohnungen in Deutschlands sieben größten Städten mit einem Minus von 2,0 Prozent deutlich zurück. Einzig in München entstand mehr Wohnraum als im Jahr zuvor (6,9 Prozent), während der Flächenumsatz in Berlin (-3,5 Prozent) und Hamburg (-5,1 Prozent) deutlich schrumpfte.

 

Kosten bremsen Wachstum aus

Durch den signifikanten Rückgang im Wohnungssegment stagniert der Markt für Projektentwickler als Ganzes somit erstmals seit der Finanzkrise. Aus Sicht von bulwiengesa liegt dies in den Großstädten vor allem an den deutlichen Preissteigerungen der zurückliegenden Jahre. Daneben trügen ein Genehmigungsstau bei überlasteten Behörden, preistreibende Auflagen und regulatorische Eingriffe – etwa hinsichtlich energetischer Maßnahmen und der Quoten für Sozialwohnungen – zur abnehmenden Attraktivität bei.

Dies führe inzwischen sogar dazu, dass einzelne Entwickler bei der Fertigstellung bereits genehmigter Projekte zögern. Besonders stark äußere sich dieser Effekt in Berlin, wo ein Drittel der terminlich in die Zukunft verschobenen Objekte liege. Damit bestätigt sich der mittelfristige Trend, dass viele Investoren in B- und C-Städte sowie die Speckgürtel der Metropolen abwandern, wo bessere Bedingungen vorherrschen und höhere Renditen erwartet werden.

 

70 Prozent nehmen verschlechterte Rahmenbedingungen wahr

Der „Neubauradar“ des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.2 Trotz der sogenannten Wohnraumoffensive der Bundesregierung hätten sich die Voraussetzungen im vergangenen Jahr eher verschlechtert. 63 Prozent der Befragten gaben der Studie zufolge an, in Großstädten würden Wohnungsbauprojekte durch politische Maßnahmen erschwert. Statt etwa dringend benötigte Grundstücke wie angekündigt schneller für den Markt verfügbar zu machen, würden sie weiterhin im Höchstpreisverfahren vergeben, kritisierten 40 Prozent der Befragten.

Auch an anderen Punkten bremsen Städte und Gemeinden aus Sicht von 75 Prozent der Unternehmen stärker, als es dem erklärten Willen der Bundespolitik entspräche. Besonders die zeitaufwendige Kommunikation mit Genehmigungsbehörden und die damit verbundenen langen Planungsphasen wurden in der Befragung kritisiert. Die Anzahl der fertiggestellten Wohnungen werde unter diesen Umständen 250.000 im Jahr nicht überschreiten, äußerte sich BFW-Präsident Andreas Ibel der Immobilien-Zeitung zufolge entsprechend deutlich.3 Der von der Bundesregierung ermittelte jährliche Bedarf liegt um 50 Prozent höher, bei 375.000 Wohneinheiten.

 


1 www.bulwiengesa.de/de/publikationen/studien/projektentwicklerstudie-2018
2 www.bfw-bund.de/services/presse/pressemitteilungen/87249-bfw-neubauradar-neubauziele-werden-weit-verfehlt-grossstaedte-fuer-projektentwickler-immer-unattraktiver/
3 www.immobilien-zeitung.de/1000060375/wohnprojekte-auf-rueckzug-bueros-auf-vormarsch/