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29 08 2019

Wie eine Reform der Grunderwerbsteuer Wohnungskäufer entlasten würde

Schon lange wird eine Reform der Grunderwerbsteuer gefordert, um die Wohneigentumsbildung in Deutschland anzukurbeln. Mit 45 Prozent gehört die deutsche Wohneigentumsquote zu den niedrigsten in ganz Europa. Eine Reform der Grunderwerbsteuer, also eine Senkung des Steuersatzes oder ein Freibetrag für Ersterwerber, könnte die Eigentumsbildung deutlich erleichtern, weil dadurch der Eigenkapitalbedarf und somit die für viele größte Hürde beim Wohnungskauf effektiv gesenkt würde. Doch eine Grunderwerbsteuerreform würde nicht nur den Eigenkapitalbedarf zum Zeitpunkt des Immobilienkaufs senken, sondern in dessen Folge auch die monatlichen Finanzierungskosten, wie das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) kürzlich berechnet hat.1

Für seine Berechnung ist das HWWI von einer hypothetischen Senkung der Grunderwerbsteuer auf bundesweit 2 Prozent des Kaufpreises ausgegangen. Bis 2006 betrug die Grunderwerbsteuer in Deutschland einheitlich 3,5 Prozent, seither dürfen die Bundesländer den Steuersatz selbst festlegen. Abgesehen von Bayern und Sachsen haben alle Bundesländer den Steuersatz erhöht, viele davon sogar mehrfach; in fünf Bundesländern liegt er bereits bei 6,5 Prozent, in dreien bei 6 Prozent.
 

Familien würden besonders profitieren

Es sind deshalb insbesondere jene Bundesländer mit einem hohen Steuersatz, in denen Wohnungskäufer von einer Grunderwerbsteuerreform am stärksten profitieren würden. Käufer einer 70-Quadratmeter-Wohnung in Frankfurt am Main beispielsweise würden bei einem angenommenen Eigenkapitalanteil von 20 Prozent monatlich mehr als 76 Euro und in Berlin oder Köln rund 63 Euro sparen. Von 401 untersuchten Städten und Landkreisen läge in 23 davon die monatliche Ersparnis bei mehr als 40 Euro, was sich bei einer Kreditlaufzeit von 20 Jahren auf insgesamt rund 10.000 Euro summieren würde.2 Die Ersparnis kommt zustande, indem aufgrund der geringeren Kaufnebenkosten ein höherer Anteil des Eigenkapitals für den Kaufpreis aufgewendet wird und somit die Kreditsumme sinkt.

Weil die Höhe der Grunderwerbsteuer mit dem Kaufpreis steigt, fiele die absolute Ersparnis durch eine Reform bei größeren Wohnungen noch kräftiger aus. Dafür würden der Postbank zufolge, die die Studie in Auftrag gegeben hat, vor allem Familien mit Kindern profitieren, da diese in der Regel größere Wohnungen nachfragen. Würde die Grunderwerbsteuer für Ersterwerber und/oder Selbstnutzer komplett gestrichen beziehungsweise ein Freibetrag eingeführt, wäre die Ersparnis natürlich ebenfalls noch größer. Weil die Grunderwerbsteuer aber eine der zentralen Einnahmequellen der Bundesländer ist – die Einnahmen daraus haben sich seit 2010 auf jährlich 14,1 Milliarden Euro knapp verdreifacht –, kommt eine Reform der Grunderwerbsteuer trotz anhaltender Forderungen nicht voran.


1 www.presseportal.de/pm/6586/4332149
2 www.welt.de/finanzen/immobilien/article198269825/Grunderwerbsteuer-bestraft-Immobilienkaeufer-gleich-doppelt.html