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09 05 2019

Weniger sparen für Wohneigentumserwerb

Wer im eigenen Zuhause wohnt, ist im Alter deutlich vermögender als Mieter, das zeigen Studien seit Jahren.1 Damit ist Wohneigentum eine wichtige Säule der Zukunftsvorsorge. Die Möglichkeiten, das dafür benötigte Startkapital aufzubringen, sehen die Deutschen jedoch zunehmend kritischer. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Frühjahrsumfrage des Verbandes der Privaten Bausparkassen – nur noch etwas mehr als ein Drittel der Deutschen spart Geld für den Eigenheimkauf.2 Dies bedeutet einen Rückgang um fünf Prozentpunkte seit der letzten Umfrage im Herbst 2018 und den tiefsten Stand seit 2013.3 Und das, obwohl sich die im Bund regierende Große Koalition explizit zum Ziel gesetzt hat, den Wohneigentumserwerb privater Haushalte anzukurbeln.
 

Baukindergeld beliebt, aber umstritten

Abgesehen von der Schweiz ist die Wohneigentumsquote in keinem anderen europäischen Land so niedrig wie in Deutschland, nicht einmal die Hälfte der hiesigen Haushalte lebt in den eigenen vier Wänden.4 Weil Wohneigentum aber ein wichtiger Beitrag zur kapitalgedeckten Altersvorsorge ist, ist eigentlich auch der Politik daran gelegen, die geringe Quote zu erhöhen. Die einzige entsprechende Maßnahme der Großen Koalition ist bisher das Baukindergeld.

Im September 2018 gestartet, wurden nach Angaben des Bundesinnenministeriums bis Anfang April 2019 insgesamt rund 83.000 Baukindergeld-Anträge von deutschen Haushalten gestellt, die eine Immobilie kaufen oder bauen und selbst beziehen wollen.5 Die Fördermaßnahme sieht eine Eigenkapital-Ergänzung für Familien in Höhe von 1.200 Euro pro Jahr und Kind vor, die zehn Jahre lang gezahlt wird. Ob das Baukindergeld geeignet ist, die Wohneigentumsquote signifikant zu erhöhen, wird jedoch beispielsweise vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) angezweifelt.6 Es setze die falschen Anreize und führe zu Mitnahmeeffekten.
 

Weitere politische Maßnahmen lassen auf sich warten

Eine Reform der Grunderwerbsteuer, die immer wieder als sinnvollere Alternative zum Baukindergeld ins Spiel gebracht wird und deren Prüfung eigentlich auch die Große Koalition angekündigt hatte, bleibt dagegen bisher aus. Die Bundesländer, die die Höhe der Grunderwerbsteuer eigenmächtig bestimmen, streben ebenfalls keine Erleichterungen an, sondern verweisen stets auf den Bund. Kürzlich hat beispielsweise die rot-rot-grüne Landesregierung Thüringens Plänen eine Absage erteilt, den bundesweiten Spitzensatz von 6,5 Prozent leicht abzusenken.7 Schleswig-Holstein immerhin strebt eine Absenkung an, doch über eine entsprechende Absichtserklärung ist auch die Landesregierung in Kiel noch nicht hinausgekommen.8

Ebenfalls noch ausstehend ist die KfW-Bürgschaft für Wohnungskäufer, die die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt hatte. Mit einer solchen Bürgschaft wäre es möglich, den bei der Immobilienfinanzierung nötigen Eigenkapitalanteil abzusenken, was eine der größten Schwierigkeiten beim Wohnungskauf erleichtern würde. Die politischen Möglichkeiten, den privaten Haushalten wieder einen Anreiz zu geben, auf ein Eigenheim zu sparen, wären grundsätzlich also gegeben, bloß lässt die Umsetzung auf sich warten.
 

1 www.spiegel.de/wirtschaft/service/kaufen-oder-mieten-warum-immobilienbesitzer-vermoegender-sind-a-932524.html
2 www.bausparkassen.de/index.php?id=84&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=538cHash=1d5a8272fd93e769a39b4e0f4c54002c
3 www.versicherungsjournal.de/versicherungen-und-finanzen/neuer-spitzenreiter-bei-den-wichtigsten-sparmotiven-135384.php
4 www.lbs-markt-fuer-wohnimmobilien.de/inhalt/bestandszahlen/wohneigentumsquoten-in-deutschland-europa/
5 www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/baukindergeld-83-000-familien-haben-schon-antrag-gestellt-a-1261055.html
6 www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/beitrag/michael-voigtlaender-pekka-sagner-zu-wenig-geld-fuers-eigenheim.html
7 www.mdr.de/thueringen/grunderwerbsteuer-100.html
8 www.immobilien-zeitung.de/1000060504/schleswig-holstein-strebt-absenkung-grunderwerbsteuer-an