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21 06 2018
Weniger Neubau als erwartet

284.800 Wohnungen sind im Jahr 2017 in Deutschland gebaut worden. Das ist ein Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 2002, wie das Statistische Bundesamt mitgeteilt hat.1 Trotzdem ist die Zahl der neuen Wohnungen noch deutlich vom tatsächlichen Bedarf und von der jährlichen Zielmarke der Bundesregierung entfernt. Die Große Koalition hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2021 für den Bau von 375.000 neuen Wohnungen pro Jahr zu sorgen.

Die Neubauzahlen fallen zudem geringer aus als erwartet. In der Immobilienbranche war damit gerechnet worden, dass 2017 insgesamt mehr als 300.000 neue Wohnungen errichtet worden wären. Eine „Enttäuschung“ nannte daher der Immobilienexperte Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) die Jahresstatistik. Für 2018 rechnet der Präsident des Hauptverbands der deutschen Bauindustrie (HDB), Peter Hübner, mit einem Anstieg des Neubaus auf bis zu 340.000 Wohnungen. Doch selbst wenn diese Zahl erreicht würde, läge sie noch immer unter dem von der Bundesregierung ermittelten jährlichen Bedarf.2

Baugenehmigungen gehen weiter zurück

Hinzu kommt, dass die Zahl der Baugenehmigungen 2017 gegenüber dem Vorjahr deutschlandweit um 7,3 Prozent gesunken ist.3 Im ersten Quartal 2018 stellte das Statistische Bundesamt einen erneuten Rückgang der Baugenehmigungen fest. So sank die Zahl der genehmigten Wohnungen gegenüber den ersten drei Monaten des Vorjahres um 1,7 Prozent.4 Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), rechnet daher damit, dass auch die Zahl der Baufertigstellungen mittelfristig wieder zurückgehen wird. Das erklärte Ziel der Bundesregierung von 1,5 Millionen neuen Wohnungen bis Ende 2021 würde damit in noch weitere Ferne rücken.

Fehlendes Bauland wird als einer der Hauptgründe dafür genannt, dass trotz der großen Nachfrage nicht genügend Wohnraum geschaffen wird. Aber auch hohe Auflagen und langsame Baugenehmigungsverfahren werden von Vertretern der Immobilienwirtschaft kritisiert. Die Politik reagiert inzwischen auf diese Appelle aus der Wirtschaft. Die Große Koalition hat einen Wohngipfel angekündigt, auf dem Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen sowie von der Immobilienwirtschaft und von Mieterverbänden Lösungen erarbeiten sollen, wie der Neubau effizient angekurbelt werden kann.

In Hessen hat der Landtag gerade eine Reform der Bauordnung beschlossen. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, dass leere Büros besser zu Wohnungen umgewandelt werden können. Außerdem sollen Baugenehmigungsverfahren durch einfachere Formvorschriften verbessert werden.5

1 www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/05/PD18_183_31121.html
2 www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wohnen/zahl-der-neu-gebauten-wohnungen-waechst-nur-langsam-15604970.html
3 www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/03/PD18_095_31111.html
4 www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/05/PD18_174_31111.html
5 www.haufe.de/immobilien/wirtschaft-politik/wohnungspolitik-hessen-reformiert-bauordnung_84342_453618.html