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accentro-hitzigallee
27 12 2018

Preisverfall auch bei steigenden Zinsen nicht zu erwarten

Die Immobilienpreise in vielen deutschen Städten sind so hoch wie nie zuvor. Das liegt zum Teil auch daran, dass die Kreditzinsen gleichzeitig auf einem historisch äußerst niedrigen Niveau liegen. Unter Eigentümern, die in den letzten Jahren gekauft haben, geht deshalb eine sorgenvolle Frage um – droht meinem Haus ein plötzlicher Wertverlust, wenn die Leitzinsen wieder steigen? Für die meisten Fälle geben Experten nun vorsichtig Entwarnung. Die Postbank, die mit dem „Wohnatlas“1 jährlich eine der größten deutschlandweiten Studien zum Wohnimmobilienmarkt verantwortet, sagt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auch für den Fall höherer Leitzinsen tendenziell steigende Kaufpreise und Mieten voraus.2


Gute Wirtschaftslage bannt Blasengefahr

Die wichtigste Grundlage für diese Einschätzung bilden die guten wirtschaftlichen Bedingungen. Die Einkommenssituation in Deutschland sei stabil, heißt es seitens der Postbank. Darüber hinaus wurde in der Bundesrepublik, anders als in den von der Immobilienkrise ab 2007 stark betroffenen Ländern, nicht über den Bedarf hinaus gebaut. Damit würde auch ein Anstieg der Zinsen, den die Europäische Zentralbank (EZB) frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2019 vollziehen will,3 keine grundsätzliche Neubewertung der Lage erfordern.

Sollten die Zinsen etwa um 0,5 Prozent steigen, belaste dies einen Haushalt mit einem Kreditvolumen von 200.000 Euro zusätzlich mit 80 Euro monatlich. Da auch die Mieten auf hohem Niveau sind und bleiben werden, würde dies also nichts an der Attraktivität eines Immobilienkaufs ändern. Im Gegenteil geht man bei der Postbank sogar davon aus, dass Immobilien in attraktiven Regionen weiterhin teurer werden. Zwar habe sich der Preisanstieg in den wichtigsten Metropolen wie München, Berlin oder Hamburg bereits verlangsamt – doch dies führe eher dazu, dass Menschen weiter ins Umland auswichen, als zu einem höheren Preisdruck in den Städten selbst.
 

Zinsanstieg ist bisher keineswegs beschlossen

Darüber hinaus sind durchaus Zweifel angebracht, ob sich die EZB im Herbst 2019 tatsächlich für eine Anhebung des Leitzinses entscheiden wird. Dies hängt von der ökonomischen Lage in der gesamten Eurozone ab. So gehen einige renommierte Ökonomen etwa davon aus, dass sich die Inflation im kommenden Jahr abschwächen wird.4

Sollte es so kommen, wären den Währungshütern im Frankfurter Ostend die Hände gebunden, weil eine Zinssteigerung dann das Wirtschaftswachstum empfindlich schmälern könnte. Da beispielsweise Italien mit schlechten Konjunkturdaten zu kämpfen hat, ist deshalb ebenso denkbar, dass die EZB ihre Niedrigzinspolitik auch über das kommende Jahr hinaus aufrechterhalten muss. Während die klassischen Sparer damit einer weiteren Durststrecke entgegenblicken würden, sänke das Risiko eines Preisverfalls auf den Immobilienmärkten noch weiter.

 

1 www.postbank.de/themenwelten/artikel_postbank-wohnatlas-wo-sich-immobilien-wirklich-lohnen.html
2 www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/mieten-und-wohnen/steigende-zinsen-die-angst-um-den-wert-des-eigenen-hauses-15916254.html?premium
3 www.faz.net/aktuell/wirtschaft/keine-leitzinsaenderung-die-nullzinsen-im-euroraum-bleiben-15856344.html
4 www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/hoeherer-leitzins-zweifel-an-der-zinswende-der-ezb-zeitplan-stoesst-auf-widerstand/23740952.html?ticket=ST-376744-agOyNjZNpkew4fmLtVCI-ap2