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13 08 2015
Geldpolitik der EZB erhöht Gefahr für Immobilienblase – aber nicht überall

Das Analysehaus Moody‘s Analytics warnt in einem aktuellen Report vor einer Überhitzung einiger Immobilienmärkte in Europa. Besonders gefährdet seien laut Moody‘s London, Oslo und München, wo Grundstücke, Häuser und Wohnungen zunehmend überbewertet seien. Während die Immobilienpreise seit 2010 in Norwegen um 30 Prozent und in Großbritannien um 15 Prozent gestiegen seien, hätten die Preise in Deutschland insgesamt um fast 25 Prozent zugelegt.

Moody‘s zufolge erhöht zudem die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Gefahr einer Immobilienblase. Seit dem Frühjahr kauft die EZB Anleihen in Höhe von 60 Milliarden Euro. Diese Maßnahme – quantitative Lockerung genannt – führt im Euroraum zu niedrigen Zinssätzen bei Anleihen und veranlasst Anleger, unter anderem auf Immobilieninvestments auszuweichen. In der Folge steigen die die Preise.

In Deutschland droht keine Blase

Die Deutsche Bundesbank relativiert jedoch die Annahme, dass sich in Deutschland eine Immobilienblase entwickle. Denn trotz der langanhaltenden Niedrigzinsphase ist es bislang zu keiner erheblichen Ausweitung der kreditfinanzierten Immobilienaktivität gekommen. Zudem werden hierzulande nach wie vor hohe Ansprüche an potenzielle Kreditnehmer gestellt. Die Banken handeln verantwortungsbewusst und haben ihre Vergabeverfahren nicht gelockert, so die Bundesbank. Damit das so bleibt, hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Bundesregierung aufgefordert, Mindeststandards für die Kreditfinanzierung zu schaffen. Bis 2016 sollen zusätzliche Eingriffsrechte und Mindestanforderungen bei kreditfinanzierten Wohnimmobilienkäufen etabliert werden. Laut Forderung soll beispielsweise die Höhe des Eigenkapitals und eine Mindesttilgung neu festgesetzt werden. Nach Ansicht der BaFin sollten solche Instrumente jedoch nur der Prävention dienen, einen konkreten Anwendungsbedarf sieht sie derzeit nicht.

Neubau muss stärker forciert werden

Moody‘s wiederum stellt fest, dass in Deutschland vor allem die erhöhte Nachfrage nach Immobilien zu einer Überbewertung führt. Denn der Bau von Wohnungen bleibt hinter der gestiegenen Nachfrage zurück. Sehr eindrücklich zeigt sich das am Beispiel Berlin: Der Berliner Senat sieht einen jährlichen Neubau von 10.000 Wohnungen vor. Tatsächlich ergibt sich allein aus dem Bevölkerungszuwachs des Jahres 2014 ein Wohnraumbedarf von jährlich mehr als 20.000 zusätzlichen Wohnungen.