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01042021

Gebäudesektor verfehlt wegen Coronakrise Klimaschutzziele

Bis 2050 will die Europäische Union klimaneutral sein, Zwischenziel ist die Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent. Auf diesem Weg zur Klimaneutralität ist Deutschland vergangenes Jahr einen großen Schritt weitergekommen: Gegenüber dem Referenzjahr 1990 sind die CO2-Emissionen 2020 um mehr als 40 Prozent zurückgegangen, womit ein weiteres Etappenziel erreicht wurde. Das liegt deutlich über den Erwartungen, wenn es auch zu einem großen Teil auf die Coronakrise zurückzuführen ist – die gleichzeitig jedoch die CO2-Bilanz im Gebäudesektor deutlich verschlechtert hat.1

Konkret sind die CO2-Emissonen im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik um 40,8 Prozent zurückgegangen, so das Ergebnis der Klimabilanz 2020 der Bundesregierung. Rund ein Drittel dessen sei auf die Auswirkungen der Pandemie zurückzuführen, ohne die ein Erreichen der Ziele wohl nicht möglich gewesen sei, wie auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (CDU) zugab. Die COVID-19-Krise dürfte jedoch auch ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass der Gebäudesektor in der Klimabilanz 2020 überraschend schlecht abschnitt und die Vorgaben als einziger Bereich verfehlte: Der zulässige Maximalwert von 120 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten wurde trotz eines sachten Rückgangs gegenüber 2019 um zwei Prozent übertroffen. In den Bereichen Energie, Landwirtschaft, Abfall und Verkehr konnten die CO2-Emissionen 2020 den Zielen gemäß reduziert werden. Als Konsequenz des verfehlten Ziels muss der Gebäudesektor nun innerhalb von drei Monaten Sofortmaßnahmen vorlegen.


Mehrbelastung durch Homeoffice

Hintergrund für das schlechte Abschneiden des Gebäudesektors im Corona-Jahr 2020 war beispielsweise die zusätzliche Belastung durch die Umstellung aufs Homeoffice, da in Wohnimmobilien in der Folge mehr geheizt wurden, während zugleich „Nichtwohngebäude“ trotz verringerter bis ausgesetzter Nutzung weiter in Betrieb gehalten wurden. Demgegenüber profitierte die Klimabilanz der übrigen Sektoren wenigstens zum Teil von der reduzierten Mobilität im Zuge der Corona-Lockdowns. Der größte CO2-Anteil wurde mit minus 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr im Energiesektor eingespart. Beim Verkehrssektor lag der Rückgang bei 11,4 Prozent.

Als Reaktion auf die Ergebnisse der Klimabilanz müsse nun die Sanierungsrate in den Gebäuden gesteigert werden, forderte Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG). Gebäude, die nun modernisiert werden, müssten „kompatibel mit den Klimazielen 2050 sein“. Andernfalls würden die Klimaziele des Gebäudesektors auch in Zukunft verfehlt.

ZIA-Vizepräsident Thomas Zinnöcker sieht den Gebäudesektor bereits auf einem guten Weg: Seit 1990 seien 90 Millionen CO2 eingespart worden. Für die verfehlten Klimaziele 2020 macht er vor allem auch nicht angegangene Reformen verantwortlich. Optimistisch stimmt ihn das seit dem 1. Januar laufende Bundesförderprogramm für effiziente Gebäude. Zusätzlich sieht er aber vor allem die Politik in der Pflicht: „Nur durch den Abbau klimaschädlicher Bürokratie, die gezielte Förderung von Investitionen in energetische Gebäudesanierung und auch den Abbau steuerlicher Hemmnisse kann das gemeinsame Klimaziel erreicht werden“, unterstrich Zinnöcker alte Forderungen.


In 30 Jahren bereits viel erreicht

Der Gebäudesektor beinhaltet sämtliche Emissionen aus Verbrennungsprozessen und damit insbesondere den CO2-Ausstoß durch Heizen, Kochen und Warmwasserversorgung. Fernwärme und Strom werden als „indirekte Emissionen“ hingegen der Energiewirtschaft zugerechnet. Treibhausgasemissionen, die im Zuge der Errichtung und Instandsetzung von Gebäuden anfallen, werden als „graue Emissionen“ bezeichnet und dem Industriesektor zugeordnet. Stand 2018 war der Gebäudesektor für mehr als ein Viertel der CO2-Emissionen in der Bundesrepublik verantwortlich, indirekte und graue Emissionen miteingerechnet.

Generell sind die CO2-Emissionen deutschlandweit seit 1990 bereits deutlich zurückgegangen: 2019 lag der Rückgang gegenüber 1990 laut Klimaschutzbericht bereits bei 35,7 Prozent. Auch im Gebäudesektor hat sich in den vergangenen 30 Jahren einiges getan, was zu einem Großteil auf die Reduzierung des Heizölverbrauchs zugunsten erneuerbarer Energien und Fernwärme zurückgeführt wird. Die Bundesregierung setzt im Hinblick auf die Klimaziele zudem vor allem auf nachhaltige Bau- und Dämmstoffe, die Berücksichtigung des kompletten Lebenszyklus von Baumaterialien sowie Klima- und Lüftungsanlagen.

1 www.haufe.de/immobilien/wirtschaft-politik/klimaschutzbericht_84342_523630.html

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