Registrieren Sie sich, um einen persönlichen Account zu erhalten und nutzen Sie die Vorteile für Ihre individuelle Suche.
X
accentro-hitzigallee
14 12 2017
Experten: Wohneigentumsbildung geht zurück

Die Bildung von Wohneigentum wird für private Haushalte immer schwieriger. Das ist die Meinung mehrerer Immobilienexperten, die Ende November auf dem wohnungspolitischen Forum des Deutschen Verbands des Wohnungswesens (DV) diskutiert und Vorträge gehalten haben.1 Als wesentliches Hindernis auf dem Weg zum Eigenheim haben die Experten das zum Wohnungskauf nötige Eigenkapital ausgemacht. Bei einer angenommenen Eigenkapitalquote von 20 Prozent sind in einigen Regionen Deutschlands lediglich fünf Prozent der Mieterhaushalte in der Lage, das erforderliche Kapital aufzubringen, wie Bernd Hertweck, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkasse, vorgerechnet hat.2

Den Eigenkapitalbedarf treiben einerseits die erhöhten Kaufpreise nach oben, andererseits die vor allem durch die stetig steigende Grunderwerbsteuer auf inzwischen zehn Prozent des Kaufpreises angewachsenen Erwerbsnebenkosten, so Hertweck. Dessen Rechenbeispiel bezieht sich auf den Großraum Stuttgart – in einigen Regionen sind die Erwerbsnebenkosten sogar noch höher. In Berlin beispielsweise belaufen sie sich bei Maklerbeteiligung auf bis zu 15 Prozent des Kaufpreises.3

Junge Menschen erwerben seltener Wohneigentum

Die Motivation, Wohneigentum zu erwerben, geht deshalb insgesamt bereits zurück. Tobias Just, Immobilienökonom der Irebs Immobilienakademie in Regensburg, hat aufgezeigt, dass die Suchanfragen bei der Online-Suchmaschine Google zum Thema Wohnungskauf seit ein bis zwei Jahren deutlich nachlassen.4 Darüber hinaus ist die Wohneigentumsquote bei den 25- bis 35-Jährigen Wüstenrot-Chef Hertweck zufolge deutlich rückläufig, auch die Zahl der Ersterwerber insgesamt nimmt ab. Und das obwohl, so Hertweck, der Wunsch vom Eigenheim insbesondere bei jungen Menschen ungebrochen hoch und die Erschwinglichkeit von Wohneigentum aktuell so günstig ist wie nie zuvor.

Die gute Erschwinglichkeit von Wohneigentum hängt eng mit den niedrigen Bauzinsen zusammen, und doch ist die Niedrigzinspolitik gleichzeitig ein Problem für die Eigentumsbildung, wie Carl-Ludwig Thiele, Vorstand der Deutschen Bundesbank, zu bedenken gegeben hat. Denn wegen der niedrigen Zinsen sei es für private Haushalte immer schwieriger, das notwendige Eigenkapital für den Wohnungskauf anzusparen.

Förderprogramme für Eigentumsbildung gefordert

Die meisten Experten auf dem wohnungspolitischen Forum waren daher der Meinung, dass die Politik die Bildung von Wohneigentum fördern sollte. Jost de Jager, Geschäftsführer von Gewos, wies beispielsweise darauf hin, „dass der kleine Mann keine Möglichkeit mehr hat, sein Vermögen aufzubauen“. Problematisch wird dieser Umstand insbesondere bei einem Blick auf eine Statistik zur Vermögensverteilung, die in der Präsentation des Wüstenrot-Chefs Hertweck enthalten war: Ausgehend von einem Haushaltsnettoeinkommen von 1.700 bis 2.300 Euro verfügen demnach Mieter am Vorabend ihres Ruhestands über ein Netto-Vermögen von 30.000 Euro – bei Immobilieneigentümern sind es dagegen 166.000 Euro, also mehr als das Fünffache.

1 immobilien-zeitung.de/144345/niedrigzinsen-erschweren-haeuslebauern-haeuslebauen
2 deutscher-verband.org/fileadmin/user_upload/documents/Programme/2017/Bernhard_Hertweck_-_Niedrige_Zinsen_-_Fluch_oder_Segen.pdf
3 postbank.de/privatkunden/themenwelten/artikel_kaufnebenkosten-damit-sollten-sie-rechnen.html
4 deutscher-verband.org/fileadmin/user_upload/documents/Programme/2017/Tobias_Just_-_Wirtschaftsfaktor_Immobilien.pdf