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accentro-hitzigallee
08 10 2015
Eingesparte Energiekosten in die Gebäudesanierung investieren!

In Deutschland scheiden sich an der Förderung energetischer Gebäudesanierungen derzeit die Geister. Während anderen Subventionen oft noch der Makel einer Wettbewerbsverzerrung oder des Protektionismus anhaftet, sind Zuschüsse für Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung gesellschaftlich weitgehend unumstritten. Das ist nicht verwunderlich, denn die Heizkosten für öffentliche und private Gebäude machen nach Auskunft der Bundesregierung derzeit 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus und stehen für immerhin 20 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes. Im Jahr 2050 soll der gesamte deutsche Gebäudebestand nahezu klimaneutral beheizt werden können – ein äußerst ehrgeiziges Ziel. Im Bundeshaushalt 2015 sind 690 Mio. Euro für die Förderung energetischer  Baumaßnahmen vorgesehen. 2016 soll der Betrag, welcher der heiztechnischen Erneuerung ebenso wie der Dämmung von Dach und Wänden dient, auf 1,5 Milliarden Euro mehr als verdoppelt werden. Das ist auch nötig, denn ähnlich wie beim Thema der E-Mobilität klaffen Wunsch und Wirklichkeit bislang weit auseinander.

 Ein Grund hierfür ist auch die Bequemlichkeit der Verbraucher: Der Ölpreis, der von 2011 bis 2014 relativ stabil um die Marke von 110 USD/Barrel pendelte, befindet sich wegen der trüben Aussichten für die Weltkonjunktur im Sinkflug und notiert aktuell gerade noch bei 49 USD. Auch die Einkaufpreise für Gas sind um 23 Prozent gefallen. Die Folge: Mit 3,69 Milliarden Euro wurden 2014 fast eine halbe Milliarde weniger an Fördermitteln bei der KfW abgerufen als noch zwei Jahre zuvor. Das bei den Energiekosten eingesparte Geld sollte konsequent in die Gebäudesanierung investiert werden. Viele Eigenheimbesitzer der älteren Generation, deren in die Jahre gekommene Immobilien eine bessere Wärmedämmung vertragen könnte, scheuen aber vor der Investition zurück, weil sich die Zuschüsse bis zum Lebensende nicht mehr zu rechnen scheinen. Das ist ein Trugschluss. Denn eine Garantie dafür, dass die Kosten für Öl und Gas niedrig bleiben, gibt es nicht. Tatsächlich zeigt sich, dass der Ölpreis mittel- und langfristig immer weiter steigt. Im Jahre 1970 kostete das Barrel noch 2 USD. Der Anstieg ist zum einen eine Folge der Verknappung der bekannten verfügbaren Ressourcen, zum anderen der steigenden globalen Industrialisierung. Der CO2-Ausstoß jedoch bleibt derselbe, ob das Fass Rohöl nun 100 oder 50 USD gekostet hat. Es gibt also gleich zwei Gründe, warum eine Sanierungsmaßnahme auch an die Zukunft einen Sinn ergibt. Mit einem zeitgemäß wärmegedämmten Haus ist nicht nur den Erben, sondern auch der Umwelt besser gedient. Den maximalen Tilgungszuschuss der KfW von 30% erhält, wer durch Umbauten ein „Effizienzhaus 55“ schafft. Dieses verbraucht dann nur 55% der Standardenergie und entspricht (mit neuer Berechnungsbasis) dem Effizienzhaus 40 aus der alten Energie-Einspeiseverordnung (EnEV) von 2007. Für ein Einfamilienhaus, das jährlich 4.000 Liter Heizöl benötigt, bedeutet das selbst beim derzeit günstigen Preis von 0,60 EUR je Liter eine Ersparnis von 33.000 EUR in 25 Jahren. Die fehlenden 70 Prozent kann der Hausbesitzer heute extrem günstig finanzieren. Überdies wird der Wert der Immobilie nachhaltig gesteigert. Das schlägt sich direkt in einem höheren Verkaufspreis nieder. Und auch die Attraktivität vermieteter Immobilien steigt. Ob Ein- oder Mehrfamilienhaus: Die reduzierten Nebenkosten führen zu einem geringeren Leerstand und lassen eine Anhebung der Kaltmiete zu. Gerade bei Gebäuden mit langer Restnutzungsdauer, deren Gebäudehülle ohnehin der Auffrischung bedarf (unabhängig von Energiesparmaßnahmen), sind Investitionen in die Energieeffizienz lohnend. Das gilt erst recht, falls ein wieder anziehender Ölpreis dem Grundeigentümer einen Strich durch die in der ad-hoc-Betrachtung zu optimistisch durchgeführte Energiekostenrechnung macht.