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29 11 2018

Der Staat profitiert vom Immobilienboom

Seit 2010 verzeichnen die deutschen Immobilienmärkte einen kräftigen Aufschwung. Niedrige Zinsen sowie eine positive Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung befeuerten die Nachfrage, während das verfügbare Angebot bis heute deutlich zu knapp ist – das Ergebnis ist ein seit neun Jahren andauernder, steiler Anstieg der Immobilienpreise. Einer der größten Profiteure dieser Marktentwicklung ist der deutsche Staat. Die mit der Immobilien- und Bauwirtschaft zusammenhängenden Steuereinnahmen haben sich seit 2009 vervielfacht, wie eine Auswertung der Bochumer EBZ Business School ergeben hat.1

103 Milliarden Euro Zusatzeinnahmen sind demnach dank des Immobilienbooms in die Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen geflossen. Davon resultieren 55,5 Milliarden Euro aus Investitionen im Hochbau. Während Lohnsteuer, Umsatzsteuer und Unternehmenssteuern aus diesem Sektor dem Staat im Jahr 2009 noch 51,5 Milliarden Euro einbrachten, stieg der Wert bis 2017 auf 63,7 Milliarden Euro.

 

Grunderwerbsteuer: 27 Steuererhöhungen seit 2006

Auch die Einnahmen aus der Grundsteuer sind deutlich angestiegen, was insbesondere daran liegt, dass viele Kommunen die Hebesätze erhöht haben. 2009 nahmen die Kommunen 10,9 Milliarden Euro ein, 2017 beliefen sich die Grundsteuereinnahmen auf 14 Milliarden Euro.

Doch den relativ größten Gewinnsprung machte der Staat wohl mit der Grunderwerbsteuer. Die hohen Immobilienpreise und die Vielzahl an Transaktionen wirken sich direkt auf das Grunderwerbsteueraufkommen aus, da der Staat an jedem Verkauf mitverdient und sich die Steuerlast nach der Höhe des Preises bemisst. Und weil die Steuereinnahmen durch den Immobilienboom immer weiter stiegen, haben fast alle Bundesländer ihre Gewinne noch einmal beschleunigt, indem sie die Steuersätze mehrfach anhoben.

Seit 2006 bestimmen die Bundesländer selbst die Höhe des Steuersatzes. Bis auf Bayern und Sachsen haben alle Länder die Steuer seither teilweise mehrfach angehoben, in fünf Ländern beträgt der Steuersatz 6,5 Prozent. Von insgesamt 27 Erhöhungen in allen Bundesländern entfielen 24 auf die Jahre nach 2010, also auf die Zeit der kräftigsten Preisanstiege auf dem Immobilienmarkt. Die Vermutung liegt nahe, dass die jeweiligen Landesregierungen die Marktentwicklung noch stärker für sich nutzen wollten.

Bundesregierung will eigentlich Eigentumsbildung fördern

So kommt es, dass die Einnahmen aus der Grunderwerbsteuer von 4,9 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf 13,1 Milliarden Euro im Jahr 2017 gestiegen sind – das ist ein Plus von rund 170 Prozent. Günter Vornholz von der EBZ Business School beziffert die staatlichen Mehreinnahmen in diesem Zeitraum auf insgesamt 34,8 Milliarden Euro.

In diesen Zahlen steckt wohl der Hauptgrund dafür, dass sich die Politik noch immer nicht dazu durchringen kann, die Grunderwerbsteuer zu senken oder Freibeträge einzuführen. Dabei ist es erklärtes Ziel der Bundesregierung, die Wohneigentumsbildung zu fördern – und Erleichterungen bei der Grunderwerbsteuer wären dazu der effizienteste Weg.2


1 www.welt.de/finanzen/immobilien/article181700238/Hohe-Immobiliennachfrage-sorgt-fuer-100-Milliarden-Euro-Steuersegen.html
2  www.accentro.de/service-leistungen/branchennews/detail/koalition-denkt-ueber-senkung-der-kaufnebenkosten-nach/