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05 10 2015
Capital.de vom 02. Oktober 2015: "Wohneigentum – das beste Vorsorgeprogramm"

Die Bildung von Wohneigentum ist der beste Beitrag zur individuellen und gesellschaftlichen Vermögensbildung. Von Jacopo Mingazzini

Wie stark trägt die Bildung von Wohneigentum zur individuellen und gesellschaftlichen Vermögensbildung bei? Hierzu gibt es neue wissenschaftliche Befunde, die die Sozialwissenschaftlerin Nora Skopek zu Tage gefördert hat. Sie stützt sich auf die Daten des „Survey of Health Ageing and Retirement“, für die europaweit 22.721 Personen ab 50 Jahren befragt wurden. Die Forschungsarbeit entstand im Rahmen des Projektes „Household Wealth Inequalities in International Comparison“.

Ein Ergebnis der Studie ist, dass in allen untersuchten Ländern Wohneigentum die wichtigste Vermögenskomponente darstellt. Dies gilt im besonderen Maße für die südeuropäischen Staaten Spanien und Italien. In diesen Ländern macht Wohneigentum 76 Prozent beziehungsweise 70 Prozent der Vermögenswerte von über 50-Jährigen aus. Das überrascht nicht, weil die Wohneigentumsquote in diesen Ländern Europas am höchsten ist.

Interessant ist jedoch, dass genau in diesen beiden Ländern auch die sogenannte Vermögensrate am höchsten ist. Damit wird ausgedrückt, wie hoch das Vermögen im Verhältnis zum Einkommen ist. Die Bevölkerung ab 50 Jahre verfügt in Spanien und Italien über ein Median-Vermögen, welches 22 beziehungsweise 15mal ihrem Median-Jahreseinkommen entspricht. Die niedrigsten Vermögensraten finden sich dagegen in Ländern wie Deutschland und Schweden. In diesen Ländern macht Wohneigentum auch nur 58 Prozent beziehungsweise 45 Prozent der Vermögenswerte der Generation über 50 Jahre aus. Das verwundert nicht, da auch die Wohneigentumsquote hier deutlich niedriger ist als in Spanien und Italien.

Das weist meiner Meinung nach auf einen Zusammenhang zwischen der Vermögensbildung und Wohneigentum hin. Dass Länder wie Polen und Tschechien, wo der Anteil des Wohneigentums ebenfalls hoch ist, nach den Ergebnissen der oben zitierten Studie herausfallen und nicht in diesen Zusammenhang passen, hat wohl etwas damit zu tun, dass nach dem Zusammenbruch des Sozialismus hier umfassend privatisiert wurde, so dass der Prozess der Bildung von Wohneigentum nicht mit dem in anderen Ländern vergleichbar ist.

Wohneigentum nivelliert Ungleichheit

Die Studie brachte jedoch noch ein anderes überraschendes Ergebnis zutage: In den Ländern, in denen die Wohneigentumsquote am höchsten ist (Spanien und Italien) ist die Vermögensungleichheit am niedrigsten, während sie in Ländern wie Schweden und Deutschland, wo die Wohneigentumsquote deutlich niedriger ist, am höchsten ist. Das zeigt, dass Wohneigentumsbildung nicht nur zum gesellschaftlichen Reichtum, sondern auch zur Nivellierung extremer Vermögensungleichheit führt. Eine Ausnahme ist hier, aus oben beschriebener Ursache, lediglich Polen.

Der Grund für diese Zusammenhänge liegt auf der Hand: Immobilieneigentümer, dies zeigen andere Studien, sparen bei ansonsten gleichen Einkommensverhältnissen deutlich mehr als Mieter. Die monatliche Tilgung ist offenbar das beste und langfristig wirksamste Sparprogramm. Nach den Zahlen der Deutschen Bundesbank beträgt das Nettovermögen (Median) in Deutschland bei Immobilieneigentümern ohne Hypothek 255.620 Euro, bei Eigentümern mit Hypothek 160.200 Euro und bei Mietern nur 10.290 Euro. Die Durchschnittswerte für das Nettovermögen betragen bei Immobilieneigentümern ohne Hypothek 457.820 Euro, bei Eigentümern mit Hypothek 270.130 Euro und bei Mietern nur 47.750  Euro.

Im Ergebnis kann man feststellen: Die Bildung von Wohneigentum ist der beste Beitrag zur individuellen und gesellschaftlichen Vermögensbildung und trägt auf diese Weise sogar zum Abbau von sozialer Ungleichheit in Gesellschaften bei. 

www.capital.de/immobilien/wohneigentum-das-beste-vorsorgeprogramm.html