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13 04 2017
Angst vor der Immobilienblase unbegründet

Aktuelle wirtschaftliche Gegebenheiten, wie die niedrigen Bauzinsen oder wachsenden Immobilienpreise hierzulande, lassen bei potenziellen Wohneigentümern die Sorgen um eine Immobilienblase wachsen – zu ähnlich scheinen die Umstände denen der Finanzkrise in den USA auf den ersten Blick zu sein. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gibt nun Entwarnung und erklärt, welche Aspekte die Angst vor der Bildung einer Immobilien- und Kreditblase in Deutschland aus Sicht der Forscher unbegründet macht.   

Deutsche Immobilienkäufer gehen kein Risiko ein

Demnach nutzen deutsche Immobilienkäufer die aktuellen Niedrigzinsen für Baukredite mit Umsicht. Im Jahr 2008 führten Baudarlehen mit einer geringen oder gänzlich fehlenden Anfangstilgung bei einer variablen Verzinsung in den Krisenländern dazu, dass Kreditnehmer ihre Raten nach einer Weile nicht mehr tragen konnten und somit ihre Immobilie an die Bank verloren. Aufgrund des rückläufigen Immobilienwertes konnten die Schulden bei den Geldhäusern allerdings nicht durch Zwangsversteigerungen gedeckt werden. Das führte schließlich zur Krise. Bei den deutschen Immobilienkäufern ist derzeit ein gegenteiliges Finanzierungsverhalten zu beobachten. Anstatt höhere Finanzierungssummen in Betracht zu ziehen, nutzen die Kreditnehmer das Zinstief, um ihre Baufinanzierung schneller zurückzuzahlen. Im Vergleich lag die Anfangstilgung vor der Krise bei rund einem Prozent, während sie aktuell bei jeder dritten Baufinanzierung im ersten Rückzahlungsjahr sogar zwei Prozent übersteigt. Neben der hohen Anfangstilgung ist zudem der Trend zu einer verlängerten Sollzinsbindung, also eine längere Zinsbindungsfrist des Immobilienkäufers mit der Bank zu erkennen. Beide Finanzierungsentwicklungen zeugen von einem wenig risikobereiten Verhalten der deutschen Baukreditnehmer.

Stärkere Absicherung der Kreditnehmer

Zudem hatten Banken im Vorfeld der Krise Darlehen auch an bonitätsschwache Kunden vergeben, durch die sich die Lage zusätzlich zuspitzte. Die Studie des IW zeigt auch in diesem Punkt Gegensätze zum Jahr 2008 auf und spricht dem durchschnittlichen deutschen Immobilienkäufer Beständigkeit in Form von finanzieller und sozialer Absicherung zu. Dieser sei etwa 50 Jahre alt, verheiratet und voll berufstätig. Da sich Deutsche im Schnitt mehr Zeit mit dem Eigenheim lassen, haben sie zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme eine stärkere finanzielle Absicherung.

Deutsche Banken treffen Sicherheitsvorkehrungen

Laut der Studie sind neben den Kreditnehmern auch die deutschen Banken selbst weniger risikobereit. Die deutschen Geldhäuser pflegen strenge Richtlinien zur Vergabe von Baukrediten. Bereits im März 2016 führte die Europäische Union eine Wohnimmobilienkreditrichtlinie ins deutsche Recht ein, welche die Liquidität von potenziellen Baukreditnehmern vor der Darlehensvergabe strenger kontrollieren soll. Zudem sei das Kreditvolumen in Deutschland wenig besorgniserregend und nicht überdurchschnittlich hoch, wie es das zu Beginn der Krise etwa in Spanien war.

Keine weiteren Interventionen notwendig

Die Studienautoren sehen mit Hinblick auf die Vorkehrungen seitens der Banken sowie das Verhalten der Immobilienkäufer die aktuelle Lage in Deutschland als solide und unbedenklich. Die Situation des deutschen Wohnimmobilienfinanzierungsmarktes sei nicht vergleichbar mit der des Jahres 2008 in den betroffenen Ländern.